Der Endkampf

Die beiden großen gegensätzlichen Kräfte, der Engel und der Hüter, werden einander Auge in Auge gegenübergestellt, und damit beginnt der Endkampf. Wir sind auf dem Weg des Freiwerdens, und auf diesem Weg entfällt alles unseren Händen; alles wird von uns genommen, und wir werden unabwendbar gezwungen, uns von der Welt des Formlebens und des individuellen Daseins loszulösen. Wir wandern den Weg der Einsamkeit und müssen am Ende verstehen lernen, daß wir im innersten Wesen weder ein Selbst noch ein Nicht-Selbst sind. Völlige Loslösung und unsere Unterscheidungsfähigkeit werden uns schließlich in einen Zustand von solch' ausgesprochenem Alleinsein versetzen, daß das Grauen der großen Finsternis sich auf uns herabsenkt. Doch wenn das Bahrtuch der Dunkelheit gelüftet ist und wieder Licht einströmt, dann geht dem Jünger die Erkenntnis auf, daß alles, was er aufgegriffen und gesammelt hatte, und was ihm dann verloren ging und von ihm genommen wurde, wieder rückerstattet ist, nur mit dem Unterschied, daß der Wunsch nach Besitz das Leben nicht länger mehr gefangen hält. Wir sind auf dem Weg zum Bergesgipfel der Absonderung und Isolierung. Auf der Bergspitze müssen wir die entscheidende Schlacht mit dem Hüter der Schwelle ausfechten. Doch auch dieses Erlebnis entpuppt sich als eine Täuschung. Daß wir uns dort isoliert wähnen und einen Kampf ausfechten, das sind nur Täuschungen und Erdichtungen der Unwirklichkeit, - die letzte Hochburg alten Wahnes und der großen Ketzerei des Trennungs- und Eigenwillens. Dann werden wir, die Seligen, uns vereint mit allem Seienden in den Gefilden der Liebe und des Verstehens wiederfinden. Unser isolierter Zustand ist ein notwendiges Stadium, er ist nur eine Täuschung. Wir kommen auf den Weg der Läuterung, und Schritt für Schritt wird alles, was wir gehegt und gepflegt hatten, von uns genommen, - die Lust, in einem Körper zu leben, das Verlangen nach irdischem Liebesglück und die große Verblendung, unsere Mitmenschen zu hassen. Das alles fällt von uns ab und wir stehen da, geläutert und aller Dinge ledig. Ein niederdrückendes Gefühl der Leere ist die unmittelbare Folge; es greift uns an die Kehle und wir meinen, der Preis, den wir für die Heiligkeit zahlen, sei zu hoch. Doch wenn wir auf dem Weg verharren, wird unser ganzes Sein mit einem Mal von Licht und Liebe durchflutet, und was wir als Leere empfanden, erweist sich als ein Medium, durch das Licht und Liebe zu der leidenden Menschheit strömen kann. Von nun an kann der Geläuterte an der Stätte der Gesegneten Herren verweilen, und von dort aus kann er wieder hervortreten, um „Erleuchtung hinauszutragen in die Welt der Menschen und der Götter“.

Quellen: Alice A. Bailey/ Djwhal Khul: „Esoterische Psychologie“ Band II, „Eine Abhandlung über Weiße Magie“ sowie „Verblendung: Ein Weltproblem“